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Generation 50+: Die ignorierte Zielgruppe mit 60% Konsumanteil

  • Autorenbild: Harald Sturm
    Harald Sturm
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Sandra ist 59, hat ein Haushaltsnettoeinkommen von 4.300 Euro und finanziert nebenbei den halben Einzelhandel. Gleichzeitig pitcht irgendwo eine Agentur gerade „authentisches Gen-Z-Storytelling" an ein mittelständisches Unternehmen. Die Ironie könnte nicht größer sein.



„Ich sehe es in fast jedem Briefing: Zielgruppe 18-35, digital native, Social Media affin. Und ich frage mich jedes Mal, ob die Unternehmer ihre eigene Kundenkartei kennen. Die Zahlen sind so eindeutig, dass man sich für den kollektiven blinden Fleck der Branche schämen muss.“

— Harald Sturm


Die BILD titelte kürzlich: „Baby-Krise! So wenig Geburten wie seit 1946 nicht mehr." Die Zahlen aus dem DACH-Raum sind eindeutig: In Deutschland sank die Geburtenrate von 18,0 pro 1.000 Einwohner im Jahr 1964 auf 8,1 im Jahr 2024. Österreich fiel von 18,6 auf 8,6. Die Schweiz von 19,5 auf 8,7. Trotz wachsender Gesamtbevölkerung werden die jungen Zielgruppen, auf die fast alle Marketingbudgets zielen, schlicht kleiner.



Die Rechnung, die niemand macht


Über 44 Millionen Menschen im DACH-Raum sind älter als 50. Sie verantworten rund 60 Prozent des privaten Konsums. Laut einer Studie der GfK verfügen deutsche Haushalte mit Hauptverdienern über 50 über ein durchschnittliches Nettovermögen von 240.000 Euro — mehr als das Doppelte der unter 40-Jährigen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) beziffert die Konsumausgaben der Generation 50+ in Deutschland allein auf über 400 Milliarden Euro jährlich.


Und wie viel Marketingbudget fließt in diese Zielgruppe? Zwischen 5 und 10 Prozent. Das ist keine strategische Entscheidung, das ist ein blinder Fleck.


Die Nielsen-Daten zeigen seit Jahren dasselbe Muster: Die Generation 50+ ist markentreuer, hat höhere Warenkorbwerte und deutlich geringere Akquisitionskosten als jüngere Zielgruppen. Eine Kantar-Studie aus 2023 belegt, dass ältere Konsumenten eine um 23 Prozent höhere Markenbindung aufweisen als Millennials. Wer einmal ihr Vertrauen gewinnt, behält es.




Warum die Branche trotzdem woanders hinschaut


Das traurige Geheimnis ist kein Geheimnis: Marketing und Werbung werden von Emotionen getrieben, nicht von Daten. Werber und Mediaverantwortliche — oft selbst unter 40 — interessieren sich schlicht mehr für TikTok als für die wirtschaftliche Realität ihrer Auftraggeber. Sie „lieben" die Gen Z, weil sie sich mit ihr identifizieren. Das ist menschlich verständlich und wirtschaftlich fatal.


Byron Sharp würde hier einwerfen: Marken wachsen, indem sie mehr Käufer erreichen, nicht indem sie bestehenden Käufern mehr verkaufen. Wenn die größte Käufergruppe systematisch ignoriert wird, ist das kein Positionierungsproblem — es ist ein Wachstumsproblem.


Die Forschung von Binet und Field zeigt zudem, dass emotionale Markenkampagnen besonders bei älteren Zielgruppen wirken, weil diese stärker auf Vertrauen und Wiedererkennung reagieren als auf Neuheit und Disruption. Genau die Mechanismen, die langfristige Profitabilität treiben, werden bei 50+ potenziert.



Der demografische Wandel zeigt sich an der Kasse


Die Zahlen aus der BILD-Infografik sind unmissverständlich: Deutschland hatte 1964 noch 1,357 Millionen Geburten, 2024 waren es 677.000 — trotz einer von 75,3 auf 83,6 Millionen gewachsenen Bevölkerung. Österreich: von 133.800 auf 80.500 Geburten. Die Schweiz: von 112.900 auf 79.500. Die Bevölkerung wächst durch Migration, nicht durch Nachwuchs. Und Migration bedeutet oft Menschen im erwerbsfähigen Alter — die selbst bald zur Generation 50+ gehören werden.


Wer heute Wachstum ausschließlich bei den unter 35-Jährigen sucht, investiert in einen schrumpfenden Markt. Das ist, als würde man sein Ladenlokal bewusst in einer Straße eröffnen, in der jeden Tag Häuser abgerissen werden.



Was Sie als Inhaber verlieren


Jeden Tag, an dem Ihre Marke die kaufkräftigste Zielgruppe des DACH-Raums ignoriert, verschenken Sie Marge. Nicht theoretisch, sondern messbar. Die 60 Prozent Konsumanteil der Generation 50+ sind keine Prognose — sie sind Realität. Die Frage ist nur, ob dieses Geld bei Ihnen landet oder bei Ihrem Wettbewerber, der verstanden hat, wo die Kunden wirklich sind.


Der demografische Wandel kommt nicht erst. Er zeigt sich längst an der Kasse. Die einzige Frage ist, ob Ihr Marketing das auch tut.




Hallo, ich bin Harald Sturm 👋 Ich bin Marken-Arzt.


Marken brauchen keinen Stylisten – sie brauchen manchmal einen Arzt. Ich diagnostiziere, warum starke Unternehmen unter ihrem Wert wahrgenommen werden, und begleite sie – beratend oder als Fractional CMO – dabei, das dauerhaft zu ändern.


Meine These: Fast jedes Unternehmen ist besser als sein Marktauftritt. Wer seine Marke alle zwei Jahre neu erfindet, zahlt jedes Mal die Anlaufkosten – und erntet nie den Zinseszins.


 
 
 

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